Mit Ausmalbildern eigene Geschichten erfinden
Von Milo · Veröffentlicht am
Auf einem Ausmalbild steht vielleicht ein Einhorn zwischen Blumen. Auf einem anderen schaut ein Dinosaurier in die Ferne. Was wäre, wenn die beiden sich begegnen? Aus einzelnen Bildern könnt ihr eine Geschichte machen, die es vorher noch nicht gab. Ihr bestimmt die Figuren, den Ort und das Abenteuer.
In dieser Anleitung entsteht ein kleines Bilderheft mit mehreren Szenen. Anders als bei einer einzelnen Geschichte zu einem fertigen Bild plant ihr hier einen Anfang, eine Überraschung und ein Ende. Schreiben ist dafür keine Voraussetzung. Ihr könnt erzählen, zeichnen oder jemanden bitten, eure Sätze aufzuschreiben.
Das braucht ihr für euer Bilderheft
- Zwei oder drei ausgedruckte Ausmalbilder
- Mehrere leere Blätter und ein etwas festeres Blatt als Umschlag
- Buntstifte, Bleistift, Radiergummi, Schere und Klebestift
- Eine Mappe zum Sammeln der fertigen Seiten
Sucht für den Anfang höchstens zwei Hauptfiguren aus, zum Beispiel aus den Einhorn-Vorlagen und den Dinosaurier-Malvorlagen. Die Bilder müssen nicht schon zusammenpassen. Ihr könnt die Figuren ausschneiden und auf neue Hintergründe kleben oder sie auf weiteren Seiten vereinfacht selbst zeichnen.
1. Figuren auswählen und kennenlernen
Legt eure Vorlagen nebeneinander. Jede Hauptfigur bekommt einen Namen und eine Eigenschaft, die ihr euch ausdenkt. Vielleicht ist das Einhorn sehr neugierig, während der Dinosaurier lieber erst einmal alles beobachtet. Diese Eigenschaften müssen nicht auf der Vorlage zu erkennen sein: Sie gehören zu eurer erfundenen Geschichte.
Überlegt auch, was die Figuren gemeinsam haben. Mögen beide Blumen? Suchen sie einen ruhigen Platz? Ein gemeinsamer Wunsch verbindet die Bilder und gibt euch einen Startpunkt. Malt die Figuren aus und merkt euch wichtige Farben. Wenn ihr sie später selbst weiterzeichnet, erkennt man sie daran wieder.
2. Einen Ort und einen Wunsch festlegen
Wählt einen überschaubaren Ort: einen Garten, einen Waldweg oder eine Wiese am Bach. Zeichnet diesen Ort zunächst auf ein leeres Blatt. Drei große Formen reichen oft aus, etwa ein Baum, ein Weg und eine Wasserlinie. Das ist eure erste Seite.
Dann fragt ihr: Was möchte die Hauptfigur heute erreichen? Sie könnte eine Freundin besuchen, einen verlorenen Ball suchen oder eine schöne Stelle für ein Picknick finden. Ein klarer Wunsch hilft beim Weitererzählen. Schreibt ihn auf ein Restblatt oder sprecht ihn einmal laut aus, bevor ihr die nächste Szene gestaltet.
3. Eine Überraschung hinzufügen
Nun passiert etwas, womit die Figur nicht gerechnet hat. Der Weg endet an einem Bach, der Ball liegt hinter einem Busch oder ein Windstoß verteilt die Picknickservietten. Es muss nichts Gefährliches sein. Eine kleine unerwartete Wendung genügt, damit die nächste Seite interessant wird.
Überlegt gemeinsam, was die zweite Figur beitragen kann. Vielleicht entdeckt sie einen anderen Weg oder sieht etwas, das die erste übersehen hat. Malt diese neue Situation auf ein weiteres Blatt. Wer erzählen möchte, beginnt mit dem Satz: „Doch dann …“ Das ist eure Einladung, die Handlung weiterzudenken.
4. Ein passendes Ende finden
Schaut noch einmal auf den Wunsch vom Anfang. Erfüllt er sich? Oder finden die Figuren etwas anderes, das ihnen genauso gut gefällt? Das Ende sollte zu den bisherigen Bildern passen. Wenn plötzlich eine neue Figur alles löst, müsstet ihr sie vorher erst vorstellen. Oft ist eine einfache gemeinsame Idee verständlicher.
Gestaltet eine letzte Seite, auf der man das Ergebnis sehen kann. Ein geschlossener Kreis ist schön: Vielleicht taucht die Blume vom ersten Bild am Ende wieder auf. Ihr müsst aber keine lange Erklärung ergänzen. Ein Bild mit einem kurzen erzählten Satz kann die Geschichte abschließen.
Eine ausdrücklich erfundene Beispielgeschichte
Das Einhorn Lila und der Dinosaurier Taro möchten auf der anderen Seite des Bachs Blumen anschauen. Auf der ersten Seite gehen sie gemeinsam durch einen Garten. Auf der zweiten entdecken sie, dass ihr Weg direkt am Wasser endet. Lila schaut ratlos auf den Bach.
Taro bemerkt hinter einem Baum eine kleine Brücke. Zusammen folgen sie dem Ufer, gehen über die Brücke und erreichen die Blumenwiese. Auf der letzten Seite sitzen sie dort und zeichnen ihre Lieblingsblumen. Der Wunsch war der Besuch der Wiese, die Überraschung der unterbrochene Weg und die Lösung die gemeinsam entdeckte Brücke.
5. Die Seiten zu einem Heft ordnen
Legt eure Bilder in die richtige Reihenfolge und erzählt die Geschichte einmal von Anfang bis Ende. Fehlt ein wichtiger Übergang? Dann ergänzt ein kleines Zwischenbild. Wenn alles passt, sammelt ihr die Seiten in der Mappe. Das feste Blatt wird zum Umschlag mit einem selbst gestalteten Titelbild.
Ihr könnt die Seiten auch lose lassen und bei jedem Erzählen neu auslegen. Wer keine Sätze schreiben möchte, zeigt auf die Bilder und spricht dazu. Probiert unterschiedliche Stimmen für eure Figuren oder erzählt abwechselnd jeweils eine Seite. So bleibt das Bilderheft veränderbar und bekommt beim nächsten Anschauen vielleicht noch ein neues Kapitel.